Das absurde Leben des Herr K.

 
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Verkehrte Welten

K. hatte die Zeichen der Zeit erkannt, schließlich machte er, kaum, dass er das Haus verlassen und auf die Straße getreten war, einen Kopfstand und tatsächlich sah K. hier eine vollkommen verkehrte Welt zum ersten Mal aus der richtigen Perspektive.

Textausschnitt aus „Das absurde Leben des Herrn K.“

Copyright © 2018 Bülent Kacan

 
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Zeitgenossen

K. wunderte sich ein ums andere Mal über seine Zeitgenossen, ja er erschrak förmlich über seine Mitmenschen, waren diese doch alles andere, nur nicht auf der Höhe der Zeit, vielmehr waren diese pausenlos damit beschäftigt, die Zeit totzuschlagen. "Aus Angst vor Langeweile!", dachte sich K., währenddessen er auf seine Armbanduhr sah und hier dem leidenschaftlichen Tanz zweier metallener Zeiger folgte, die unentwegt damit beschäftigt waren, ein Zentrum zu umkreisen, das sie magisch anzog und fesselte, dem sie zur gleichen Zeit aber auch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren. Sprach er einmal vorübergehende Passanten auf ihre Rastlosigkeit an, so gaben ihm diese unmissverständlich zu verstehen, dass sie keine Zeit hätten und jagten, noch bevor K. diese anhalten und in ein ernsthaftes Gespräch verwickeln konnte, wie winzig kleine Murmeln, die eine unsichtbare Hand ohne ersichtlichen Grund angestoßen hatte, haltlos durch die Straßenschluchten seiner Heimatstadt.

Textausschnitt aus „Das absurde Leben des Herrn K.“

Copyright © 2018 Bülent Kacan

 
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Kopfspiele

K. hatte schon als Kind seinen Kopf überall dort hingehalten, wo andere Kinder ihren Kopf sicherheitshalber einzuziehen pflegten. Das draufgängerische Verhalten K.'s - das im Übrigen im krassen Gegensatz zum duckmäuserischen Verhalten seiner Mitmenschen stand - führte allerdings dazu, dass K.'s Schädel im Lauf der Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wenn K. von seinen Mitmenschen als Dickkopf bezeichnet wurde, so geschah dies sicherlich nicht grundlos. Tatsächlich versuchte K. seinen Kopf - eine Art Holzkeil, mit zwei tiefliegenden Augen darin - auch überall dort durchzusetzen, wo andere Erwachsene ihren Kopf vorsichtshalber einzuziehen pflegen.

Textausschnitt aus „Das absurde Leben des Herrn K.“

Copyright © 2018 Bülent Kacan

Illustrationen mit freundlicher Genehmigung des Künstlers

Michael Blümel