Bülent Kacan
 
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Jederzeit Jericho

Inmitten deiner Bestimmung stehend, machst du dich auf die Suche nach dem Unbestimmbaren, das du nicht auffinden wirst, solange du die Bedingungen, die dich binden, nicht fahren lässt und dich jener Strömung hingibst, die sich abseits der rasenden Betriebsamkeit ihren Weg bahnt. Noch befindest du dich inmitten einer Mauer, umgeben von unzähligen Ziegelsteinen unfassbarer Zumutungen und Unzumutbarkeiten und von klein auf darin eingemauert, trägst du, aus Furcht, der Himmel über dir könnte einstürzen, atlasgleich das Gebälk des Daseins auf deinen Schultern; ein gewaltiges, ein grandioses Gebäude, das du, obschon von Beginn an darin hausend, nicht einmal ansatzweise erkundet hast. Und gingest du dazu über, der unerträglichen Last über dir nachzugeben und würde - was schwerwiegend genug ist - der Himmel tatsächlich einmal zusammenbrechen, so wäre dies gewiss nicht das Ende der Welt, es wäre gewissermaßen der Anfang einer neuen Welt, die jenseits des Gemäuers liegt. In Erkenntnis dessen, dass sich abseits der Mitte das wahre Zentrum befindet, machst du dich auf den Weg, dies aber heißt, du reißt, ohne ein Wort zu verlieren, die Mauern von Jericho ein. Aus den Aufzeichnungen "Ich oder auf dem Heimweg von mir zu mir selbst"

Bülent Kacan